Herrin des Zauberwaldes – Ein erotisches Märchen

Das Fest
„Komm zur Herrin des Zauberwaldes – Andri!“ Der helle und klare, fast lockende Klang der Stimme durchdringt alles Stimmengewirr um mich. Diese tausend Stimmen die mir gratulieren, Witze machen, mich hofieren, und sich doch nur selbst feiern und in den Vordergrund schieben. Sie feiern meinen Geburtstag und das halbe Königreich ist eingeladen wie mir scheint. Nur ich selbst fühle mich nicht eingeladen, bin sprachlos und lächle und rede nur wie ein Automat, so habe ich es seit vielen Jahre am Hofe gelernt. 
Fast muss ich lachen: Der Zauberwald, ausgerechnet, eine unserer ältesten und längst abgeschmackten Geschichten die man den Kindern erzählt, vom umgebenden See, vom undurchdringlichen Wald, von seiner mächtigen Herrin über Körper, Herz und Verstand, von Prinzen und Edelleuten die dort einfach verschwinden und nie mehr gesehen waren. 
Und doch dringt die Stimme sofort wie eine scharfe, kühle, erfrischende Brise in mein Bewusstsein. Andri… sie sprach meinen wahren Namen aus, ich weiß, niemand hier kennt meinen wahren, geheimen Namen. Mein Blick wird zum Ursprung der Stimme gezogen und ich erblicke sie, die ich gewiss noch nie bei Hofe sah. Schwarzes, langes, dichtes Haar umfließt ihr edles und stolzes Gesicht, sehr aufrecht und doch in entspannter Haltung steht sie und scheint alle anderen um sie zu überragen. Ich blicke in ihr helles fast blasses Gesicht und ihre Lippen werden von einem leichten Lächeln umspielt. Doch sofort wird mein Blick von den Augen gefangen, grünleuchtende Augen mit kleinen, hellen, bernsteinfarbenen Reflexen und einer tiefdunkler Mitte.
Unwillkürlich mache ich einen Schritt auf sie zu, gerufen von ihrer Stimme, oder gezogen von ihren Augen. Ich sehe wie sie in einer raschen Bewegung die Hand hebt, wie sie mir leicht gegen die Stirn tippt und: „Komm zu mir“ spricht. Ich spüre wie ich ihr entgegen falle, in die grünen Augen stürze. Und immer weiter spannt sich der grüne See und an der Oberfäche spiegelt sich an einigen Stellen glitzernd und bernsteinfarben die Sonne. Am gegenüberliegenden dunklen Ufer erscheinen schemenhaft die Umrisse von großen Bäumen.

See und Wald
Ich stehe am Ufer des umgebenden See. Die Wasseroberfläche am Ufer ist völlig glatt und im Spiegel des Wassers erkenne ich mich. Aber etwas stimmt nicht, bemerke ich und natürlich mein Spiegelbild ist völlig unbekleidet, wohingegen ich in meiner lächerlichen Prinzenuniform hier in der unberührten Wildnis stehe. Auch lächelt mein Spiegelbild, wohingegen ich sicher ernst und fast besorgt blicke. Ich möchte am liebsten weg und blicke mich um und sehe in ein undurchdringliches Grau, formlos, gestaltlos. Ein Frösteln der Angst erfasst mich, nein auf diesem Weg gibt es kein Zurück, das ist der Weg ins Nichts. Mein Spiegelbild sieht mich freundlich, fast spöttisch an. „Es gibt nur den einen Weg“ sagt er, sage ich wohl, meine eigene Stimme die mir plötzlich fremd ist. „Den Weg durch den See, durch den Wald“ Was muss ich tun? frage ich. „Du musst alles zurücklassen, deine Kleider, deine Erinnerung, alles was du bist, deinen Willen, deinen Körper, dich selbst. Höre mir jetzt genau zu, nur der Zauber der Herrin des Waldes kann dich retten. Merke dir diese Worte, merke sie dir genau: Mein Wille ist dein, mein Körper ist dein, mein Ich ist dein “ 
Er gibt mir drei kleine runde Edelsteine, einen Gelben, einen Roten, einen Blauen. „Der Gelbe ist der Stein des Willens, der Rote der Stein des Körpers, der Blaue der Stein des Ichs. Du musst sie ihr geben, du wirst wissen wann.“ Ich öffne meine Hand und die drei Steine liegen kühl und schön auf meiner Handfläche. Schwer schlägt mein Herz, als ich die Hand schließe und die Steine Teil von mir werden, wie die Worte zu denen sie gehören, tief verborgen, unerreichbar tief.
Eine leichte Brise kräuselt das Wasser, mein Spiegelbild zerfällt im Glitzer der feinen Wellen. Ich bin allein und atme tief durch. Also gut, lächle ich mir selbst zu, du hast nichts zu verlieren kleiner Prinz, spotte ich. Ich lege alle Kleider ab und genieße für einen Augenblick den kühlen aber nicht unangenehmen Wind auf meiner nackten Haut. Ich bin froh endlich alles ablegen zu dürfen, den ganzen Ballast dieses lächerlichen Aufzugs. Mein Körper, sehr schlank, kräftig, noch fast jugendlich, möchte endlich eintauchen in dem klaren herrlich grünen Wasser des Sees. Ich gehe einfach vorwärts, das Wasser ist noch warm nach der Sommerhitze der letzten Tage. Rasch wird es tiefer und schon stoße ich mich ab und mein Körper wird umfangen vom seidenweichen, ruhigen Wasser des Sees. Sanft umströmt das Wasser meinen Körper, leicht zerteilen die Hände die Wasseroberfläche und unglaublich mühelos drängen sie es nach hinten und meinen Körper vorwärts. Und bei jedem Zug atme ich aus und bei jedem Zug ist mir als würde ein Gedanke, eine Erinnerung mit dem Wasser hinfort fließen. Ganz und gar umfängt mich der Rhythmus der Bewegung und des Atems, das Strecken des Körpers im Wasser, das Zerteilen, das nach hinten Fließen lassen. Und jedes mal fließt ein Teil meiner Erinnerung mit. Strecken, Zerteilen, Fließen, Atmen und Vergessen. Strecken, Zerteilen, Fließen, Atmen und Vergessen. Der Prinz löst sich auf im fließenden Wasser, mein Geburtstag, die Höflinge, alle Erinnerung in den feinen Strudeln des strömenden Wassers, es bleibt zurück. Immer tiefer prägt sich der Rhythmus ein, alles andere sinkt zurück. Ich bin ganz ich, mein Atmen, meine Bewegung, und wieder mein Atmen.
Ein feines Lächeln umspielt meine Lippen, ich fühle die Kraft meines Körpers, die Wärme des Wassers, den sanften Geruch, den weichen Widerstand des Wassers, ein Traum und Wirklichkeit zugleich, alles ist gleich…………

Und weiter geht es in meinem eBook